24.08.2018
Zentralbereich

Blick in ein pulsierendes Unternehmen

EMMENDINGEN. 50 Besucher nutzten die ausgebuchte BZ-Ferienaktion, das mitten in der Stadt gelegene Wehrle-Werk kennen zu lernen. Vier Teilnehmer hatten dort schon gearbeitet. Die Wehrle-Werk AG umfasst drei Geschäftsbereiche: Energietechnik, Umwelttechnik und Fertigung. Robert Körner, Bereichsleiter Marketing und Vertrieb, und Ausbildungsleiter Norbert Buserboten Einblicke in das 158 Jahre alte Unternehmen. Es gebe sogar zwei Bienenstöcke auf dem Werksgelände, sagte Körner. "Es gibt hier aber auch andere fleißige Bienen." Derzeit hat das Wehrle-Werk 180 Mitarbeiter.

Die erste Attraktion steht vor dem Eingang: Ein Kessel aus dem Jahre 1885, der, mit Holzabfällen bestückt, ganze 83 Jahre bis 1978 im Schwarzwald in Betrieb war. "Ein Kessel aus der guten alten Zeit.· Das noch immer familiengeführte Unternehmen wurde als "Mechanische Werkstätte und Kesselschmiede von Wilhelm Wehrle" 1860 gegründet. Im 19. Jahrhundert kamen durch die damaligen sieben Brauereien in Emmendingen der Bau von Brauereieinrichtungen hinzu. Im 20. Jahrhundert lag der Schwerpunkt auf Kesselbau und thermischer Abfallbehandlung. 1991 brachte das Unternehmen den weltweit ersten großtechnischen Membran-Bioreaktor auf dem Markt. 15 Jahre später wurde auf der Deponie Kahlenberg eine Anlage zur mechanisch-biologischen Behandlung unsortierter häuslicher Abfälle in Betrieb genommen. 2015 kamen dezentrale Kleinanlagen zur thermischen Sondermüllverwertung zu.

Die erste Station ist der Wareneingang. Auf dem Boden sind noch Schienenstränge zu sehen. "Täglich liefern hier 15 bis 30 Lastwagen an·, so Norbert Buser und nach Fertigung wird wieder ausgeliefert. "Jedes Rohr hier ist TÜV-geprüft und miteiner Art •Geburtsdatum• versehen, wann, wo und wer es hergestellt hat. "Das Werk verlässt nichts, was nicht ordnungsgemäß geprüft wurde." Direkt vor der Halle steht ein Container, eine Pilotanlage zur Wasserbehandlung, die geliefert werden kann. Denn das Thema Wasser und dessen Behandlung werden immer wichtiger. "Das Wehrle-Werk ist da in der Pole-Position", sagt Körner.

Die Werkshallen sind hoch und luftig. In Halle 1 wird schwer und laut gearbeitet. Die Arbeiter schweißen und hämmern an einem Rohteil. Um was es sich handelt, erfahren die Besucher nicht. Neu entwickelte Verfahren beim Schweißen von Rohren sind Betriebsgeheimnisse. Das Wehrle-Werk ist in vielen Bereichen Marktführer, aber seine Entwicklungen und Patente
müssen geschützt werden. Körner sagt, dass vor allem in südamerikanischen Ländern wie Brasilien und Argentinien gerne kopiert werde, weniger im oft verdächtigten China.

Das Wehrle-Werk fertigt nicht nur die Rohteile an, sondern behandelt die Oberflächen mit Sandstrahl und färbt sie ein. Hier sind auch die 40 Tonnen-Kräne, die große Bauteile zusammensetzen. In dieser 1986 gebauten Halle steht eine völlig entkernte Lok, die nach und nach wieder zusammengesetzt wird. In zwei Jahren soll der Rebenbummler wieder fahren. Fast alle Teile müssen davon ersetzt werden, denn die Kessel müssen auch die strengen Kriterien des TÜV erfüllen.

Sickerwasserreinigung für Russland

In einer anderen Halle stehen zwei Container, mit deren Hilfe Sickerwasser gereinigt werden kann. Diese beiden Anlagen sind für Russland bestimmt. Bei umwelttechnischen Anlagen sei der Export nach Russland noch möglich, sagt Robert Körner. Bei Exporten in den Iran laufe dagegen derzeit nichts.

Eine Halle ist aus dem Jahre 1908. Die Wand ist gemauert und im Laufe der Jahre durch die Schmiede geschwärzt worden. Hier wird jetzt Material vorbereitet. Danach geht es in die  Ausbildungswerkstatt, in denen zwölf Azubis ihre dreieinhalbjährige Ausbildung absolvieren. "Wir wollen gerne 100 Prozent davon behalten." Auch ftir dieses Jahr sucht das
Wehrle-Werk wieder Auszubildende. In der Ausbildungswerkstatt soll ftir 300 000 bis 400 000 Euro ein Kompetenzzentrum "Industrie 4.0" entstehen.

Auch in anderen Bereichen des Unternehmens wird investiert. Eine CNC-Fräsmaschine kostet immerhin 1,5 Millionen Euro - für Wehrle ein deutliches Symbol, dass das Werk an Ort und Stelle in Zukunft bleiben möchte. "Wir werden weiter wachsen", ist Robert Körner sehr zuversichtlich. "Das Unternehmen pulsiert vor Leben", ergänzt er und lebt dies auch. "Es war super, hoch interessant", sagt Jochem Schmidt aus Emmendingen nach zwei Stunden, "leider war zu wenig Zeit.·

Text und Fotos von Georg Voß (Badische Zeitung)