05.07.2018
Zentralbereich

Vom Leben und lernen zwischen zwei Welten

EMMENDINGEN. Am Vormittag pauken sie Mathe und lernen lesen und schreiben, am Nachmittag setzen sie die rote Clownnase auf und nehmen die Jonglage-Keulen zur Hand: Die Schüler der Clown- und Mimenschule im Armenviertel der nicaraguanischen Stadt Granada sind nun für einige Tage in Emmendingen zu Gast und zeigen am Freitag, 16 Uhr in einer Aufführung im Wehrle-Werk ihr Programm "Zwischen den Welten".

Eine bunte Zirkusshow vor der Kulisse der alten Werkhalle aus dem Jahr 1880 – Heiner Steinberg, Vorstand der Wehrle-Werk AG, ist begeistert von der Idee, die über eine engagierte Mitarbeiterin zustande kam. Karin Schiebold arbeitet als Ingenieurin im Werk und war zu Beginn des Jahres selbst in Granada, wo sie das vom Freiburger Wiwili-Verein geförderte Projekt besuchte.

Dort lernte sie auch das "Haus der kleinen Fläschchen" kennen, jene Schule mit angegliedertem kleinen Hotel, das mitten im Armenviertel der Stadt Granada aus vielen alten Plastikflaschen gebaut ist, die dort an jeder Ecke weggeworfen werden. "Es spart teure Rohstoffe, erzeugt interessante Lichteffekte und ist zudem auch noch erdbebensicher", so Schiebold. Die "Escuela de Comedia y Mimo" wurde 2001 vom unlängst verstorbenen Diego Gene gegründet, der in England als Clown ausgebildet wurde und in seiner Heimat etwas für vernachlässigte Kinder und Jugendliche tun wollte.

An der Zirkusschule erhalten die selbst aus entlegenen Dörfern der Umgebung anreisenden derzeit etwa 25 Kinder eine vielseitige Ausbildung: Lesen und Schreiben, später Englisch, Informatik oder Buchhaltung werden ebenso unterrichtet wie Theater, Tanz, Akrobatik oder Pantomime. "Und dazu gibt es täglich ein ausgewogenes und gesundes Essen, für viele keine Selbstverständlichkeit", berichtet auch Almut Langbein, die das Projekt seit vielen Jahren schon kennt und mit Aufführungen in Emmendingen immer wieder unterstützte.

Nach dem Tod des Gründers wollen seine Schüler weitermachen. Rafael Largaespada (29) ist einer von ihnen, der auch die Europatournee der kleinen Truppe, der noch Bayron Peréz, Josva Largaespada und Francisco Palacio angehören, organisierte und das Programm einstudiert. Sein Titel "Zwischen zwei Welten" spielt auf die Smartphone-Generation an, die in ihrer ganz eigenen digitalen Welt zu versinken droht. Durch die Clowns und Artisten werden die Jugendlichen mit der real existierenden Welt der Farben, Fantasie und Kreativität konfrontiert.

Die Veranstalter versprechen einen abwechslungsreichen Nachmittag in einer ungewöhnlichen Umgebung mit guter Unterhaltung, Spaß und vielen Denkanstößen. Die bunte Zirkusshow in der Werkhalle des Wehrle-Werks (Eingang Bismarckstraße) ist kostenlos, über Spenden zur weiteren Finanzierung des Projekts würden sich die Akteure aber freuen.

Quelle: Bericht von Gerhard Walser (Badische Zeitung - 05.07.2018)